Mit dem Beginn der Gartensaison erwacht nicht nur der Garten selbst, sondern auch das Wissen und die Erfahrung unserer Naturgärtner:innen. Im Naturgarten der Vielfalt bei SONNENTOR in Sprögnitz wird täglich beobachtet, ausprobiert und mit der Natur gearbeitet. Viele Gartenelemente sind nach Permakultur-Prinzipien gestaltet.
Aus dieser lebendigen Praxis haben wir 10 Möglichkeiten gesammelt, wie du auch in deinem Garten mehr mit der Natur zusammenarbeiten kannst. Schon kleine Veränderungen können viel bewirken – für lebendigen Boden, gesunde Pflanzen und einen Garten voller Vielfalt.
Früh im Jahr werden wichtige Grundlagen gelegt: Wer jetzt auf Bodenpflege, Vielfalt und natürliche Kreisläufe setzt, schafft die besten Voraussetzungen für einen robusten und pflegeleichten Garten – auch in heißen und trockenen Sommern.
Permakultur bedeutet dabei vor allem: beobachten, verstehen und mit der Natur arbeiten, statt gegen sie.
1. Boden nicht umgraben
Der Boden ist ein lebendiges Ökosystem voller Mikroorganismen, Pilzgeflechte und Regenwürmer. Beim Umgraben werden diese Strukturen zerstört. Besser ist es, den Boden nur zu lockern, ohne ihn zu wenden.
Praxistipps
- Mit der Grabegabel senkrecht einstechen und die Erde leicht anheben.
- Stark verdichtete Böden zuerst mulchen und einige Wochen ruhen lassen, damit das Bodenleben aktiv wird.
- Viele Regenwürmer sind ein gutes Zeichen für einen gesunden Boden.
2. Mulchen von Anfang an
Mulch schützt den Boden vor Austrocknung, Temperaturschwankungen und Erosion. Gleichzeitig wird organisches Material langsam zu Humus und versorgt den Boden mit Nährstoffen. Geeignete Materialien sind zum Beispiel Heu, Laub, Wiesenschnitt, Rasenschnitt oder Holzfasern.
Praxistipps
- Rasenschnitt kurz antrocknen lassen, bevor du ihn ausbringst.
- Mulch am besten direkt nach dem Pflanzen oder Säen aufbringen.
- Dickere Schichten aus trockenem Wiesenschnitt schützen besonders gut vor Austrocknung.
3. Mischkulturen bewusst planen
In der Natur wachsen Pflanzen selten allein. Verschiedene Pflanzenarten unterstützen sich gegenseitig: Sie nutzen unterschiedliche Nährstoffe, lockern den Boden in verschiedenen Tiefen oder halten Schädlinge fern. Ein klassisches Beispiel ist Karotte und Zwiebel, die sich gegenseitig vor Schädlingen schützen.
Praxistipps
- Tief- und Flachwurzler kombinieren.
- Kräuter zwischen Gemüse setzen – sie locken Nützlinge an.
- Auch Blumen im Gemüsebeet fördern Vielfalt und Bestäubung.
4. Kompost nutzen und beleben
Kompost ist das Herz eines lebendigen Gartens. Er versorgt den Boden mit Nährstoffen, verbessert die Struktur und bringt wertvolle Mikroorganismen ins Beet. Im Frühjahr können alte Komposthaufen umgesetzt und belüftet werden.
Praxistipps
- Grünmaterial (z. B. Küchenreste oder Rasenschnitt) mit trockenem Material wie Laub oder Zweigen mischen.
- Der Kompost sollte sich leicht feucht wie ein ausgedrückter Schwamm anfühlen.
- Eine dünne Schicht reifen Komposts wirkt wie ein natürlicher Dünger.
5. Mehrjährige Pflanzen integrieren
Mehrjährige Pflanzen wie Kräuter, Stauden oder Beerensträucher sind eine wichtige Grundlage der Permakultur. Sie müssen nicht jedes Jahr neu gepflanzt werden und stabilisieren den Garten langfristig. Durch ihre tiefen Wurzeln lockern sie den Boden und helfen, Wasser zu speichern.
Praxistipps
- Beginne mit robusten Pflanzen wie Rhabarber, Winterheckzwiebel, Kräutern oder Beerensträuchern.
- Mehrjährige Pflanzen eignen sich gut für Beetränder oder Wege.
- Blühstauden bieten Insekten wertvolle Nahrung.
6. Wasser im Garten halten
Permakultur versucht, Wasser dort zu speichern, wo es fällt. Regenwasser, Mulch und kleine Mulden helfen dabei, Wasser länger im Boden zu halten.
Praxistipps
- Regenwasser in Tonnen oder Zisternen sammeln.
- Mulch schützt vor Verdunstung und hält Feuchtigkeit im Boden.
- Bei Hanglangen quer zum Hang arbeiten, damit Wasser langsam abfließt.
7. Hitze clever begegnen
Heiße Sommer werden häufiger. Ein gut gepflegter Boden mit Mulch und ausreichend organischem Material kann Wasser besser speichern.
Praxistipps
- Lieber selten, aber gründlich gießen.
- Am besten morgens oder am Abend.
- Hohe Pflanzen können natürlichen Schatten für empfindlichere Kulturen spenden.
8. Bio - und samenfestes Saatgut verwenden
Bio-Saatgut stammt aus ökologischer Landwirtschaft und kommt ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel aus. Samenfeste Sorten ermöglichen es außerdem, eigenes Saatgut zu gewinnen. So bleibt die Sortenvielfalt erhalten und Pflanzen können sich besser an den Standort anpassen.
Praxistipps
- Beim Kauf auf die Hinweise "Bio" und "samenfest" achten.
- Samen von besonders kräftigen und gesunden Pflanzen sammeln.
- Trocken, kühl und dunkel lagern.
9. Natürliche Pflanzenstärkung nutzeb
Kompost, Pflanzenjauchen oder Urgesteinsmehl versorgen Pflanzen und Boden auf natürliche Weise mit Nährstoffen und stärken ihre Widerstandskraft.
Praxistipps
- Brennnesseljauche wirkt als natürlicher Stickstoffdünger.
- Schachtelhalm stärkt Pflanzen gegen Pilskrankheiten.
- Dünger sparsam einsetzten - ein gesunder Boden reguliert vieles selbst.
10. Mit Wildpflanzen arbeiten
Wildpflanzen sind im Garten keine Störenfriede, sondern wertvolle Helfer. Sie bieten Nahrung für Insekten und geben Hinweise auf die Bodenqualität.
Praxistipps
- Einige Wildpflanzen bewusst stehen lassen.
- Brennnesseln eignen sich hervorragend für Pflanzenjauche oder Mulch.
- Essbare Wildpflanzen wir Giersch oder Vogelmiere können auch in der Küche verwendet werden.